Donnerstag | 12.01.2012 | 19.30 Uhr | Bern | Gewerkschaftshaus | Monbijoustrasse 61
Das WEF in Davos versammelt alljährlich eine illustre Gesellschaft von Kapitalisten, Managern, aktiven und ehemaligen Politikern, um sich gemeinsam mit Wissenschaftlern und ausgewählten Berühmtheiten aus Kunst und Kultur über Krise und Kriege, den Stand der Konkurrenz und der Technik, über neue gesellschaftliche Entwicklungen und wissenschaftliche Entdeckungen zu informieren und auzutauschen.
Verstehen wollen sie diese Sorte gehobener Unterhaltung als Beitrag zur Verbesserung der Welt: „Das WEF ist eine unabhängige internationale Organisation, die sich zur Aufgabe macht, den Zustand der Welt dadurch zu verbessern, dass es ökonomische, politische, akademische und andere gesellschaftliche Führer dafür gewinnt, die globale, regionale und industrielle Tagesordnungen zu gestalten.“ (www.weforum.org)
Chuzpe kann man ihm nicht absprechen. Wenn globale, regionale und industrielle Leader loslegen, die Tagesordnungen festzulegen, nach denen der Rest der Menschheit sich zu richten hat, kann es sich ja nur um einen Beitrag zur Verbesserung der Welt handeln. Das verbürgt – ja was eigentlich? Sie verstehen das eben so. Sie haben „Visionen“ beim Profite machen, „Missionen“ beim Regieren und lassen sich ganz sicher immerzu von „Werten“ leiten, wenn sie investieren, Märkte erobern, Renten kürzen und Kriege führen.
So billig geht es bei den Eliten unserer Welt zu, wenn sie ihre leitenden Positionen in der kapitalistischen Welt als Wahrnehmung einer höheren Verantwortung feiern. Das elitäre Selbstbewusstsein der Inhaber der Macht, dass die ganze Welt davon abhängt, dass sie die „Verantwortung“, die sie haben, auch tatkräftig ausüben, betätigt sich eine Woche lang – sie haben schliesslich viel zu tun und dabei vieles zu beachten – vom Klimawandel bis zum Machtzuwachs Chinas, von der €-Krise bis zu Facebook und Twitter, von der Antarktis bis Fukushima, der Kontexte und Herausforderungen für verantwortungsvolle Leadership gibt es viele.
Gegen diese elitäre Vergnügung hat sich seit seiner Gründung Protest erhoben. Statt sich über das eingebildete Selbstbewusstsein der World Leader und ihrer wissenschaftlichen Kumpane lustig zu machen, empört sich eine Anti-WEF-Bewegung darüber, dass hier die falschen – „selbsternannt!“, „korrupt!“! – Verantwortungsträger die Titel okkupieren, von denen man offensichtlich so viel hält, dass man sie dem WEF nicht überlassen will.